Brüsseler Aussichten auf Europa

Über die wachsende Rolle politischer Interessenvertretung tauschten sich Junior- und Senior-Experten in Brüssel aus: Die Quadriga University of Applied Sciences richtete ihre inzwischen sechste „EU Public Affairs Conference“ aus. Das Brüsseler Parkett könnte aber auch schon bald seine Bedeutung verlieren.

In der 27. Etage des „The Hotel“ waren sich die Fachleute noch einig über die rosigen Aussichten, die ihnen Brüssel für ihre Aufgaben bietet. Die Rede des britischen Abgeordneten Richard Corbett im ebenerdigen Restaurant des Hotels holte die Konferenzteilnehmer zurück auf den Boden der Realität: Was wäre die Europäische Union ohne Großbritannien?

Der EP-Abgeordnete der Labour Party wird nicht müde, für den Zusammenhalt der EU zu werben. Es falle ihm oft schwer, den Konservativen nicht zu widersprechen, aber wenn es der Sache diene, dann beiße er sich eben auf die Zunge. Viele Argumente sprechen für den Verbleib Großbritanniens in der EU, Corbett beleuchtete zahlreiche finanz- und wirtschaftspolitische Aspekte. Beim Abendessen gab er preis, welcher Blickwinkel ihn viel mehr bewegt: Die Einigung Europas sei ein großartiges Werk von großartigen Menschen, das allen Europäern ein friedliches Zusammenleben und Wohlergehen sichern sollte. Der Umstand, dass diese Errungenschaft nun Gegenstand eines Referendums mit ungewissem Ausgang ist, lässt ihm keine Ruhe.

Kein Trost sei für ihn, dass Premierminister David Cameron möglicherweise bessere Bedingungen für Großbritannien für den Fall eines Verbleibs in der EU ausgehandelt hat. Cameron sei bei den Verhandlungen in der gleichen Position gewesen wie der Bankräuber, der in die Bank stürmt und droht: „Gebt mir all das Geld – oder ich erschieße mich!“ Immerhin sei Cameron mit reichlich Beute nach Hause zurückgekehrt.

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