Plädoyer für die Marktwirtschaft

„Die FDP hat das überzeugendste Konzept“ – überraschende Worte eines ehemaligen SPD-Politikers, der sich als „Sozialdemokrat ohne Parteibuch“ versteht. Wolfgang Clement sprach deutlich über seine Zweifel an der heutigen sozialdemokratischen Politik – ganz ausdrücklich positionierte er sich in den Bereichen Bildung, Soziales und Energie.

Der ehemalige „Superminister“ im zweiten Kabinett von Gerhard Schröder und ehemalige Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen Wolfgang Clement diskutierte mit der Spitzenkandidatin der Brandenburger FDP für den Deutschen Bundestag Linda Teuteberg. Die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit hatte im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Zukunftsideen für Deutschland“ nach Potsdam eingeladen. Vorrangiges Thema war die mangelhafte Bildungspolitik in Deutschland, als deren Folge jährlich zigtausend Jugendliche ohne Schulabschluss ins Leben straucheln. „Bei den Bildungsausgaben liegen wir im OECD-Vergleich auf dem 21. Platz – gemeinsam mit Portugal“, sagte Clement.

Zu dem Ruf der SPD nach mehr Gerechtigkeit – zurzeit von Kanzlerkandidat Martin Schulz laut intoniert – sagte Clement, dem liege ein Gerechtigkeitsbild aus den sechziger Jahren zugrunde. Heute müsste vielmehr die Chancengerechtigkeit in den Blick genommen werden, und die beginne entscheidend bei den Ausbildungschancen für Kinder und Jugendliche. Linda Teuteberg stimmte Clements Forderung nach mehr Investitionen in Bildung zu und ergänzte, dass zur Vermittlung von elementaren Kulturtechniken wie Lesen, Schreiben, Rechnen auch vielfältige Anregungen zu selbständigem Denken gehörten.

Auf die deutsche Energiepolitik angesprochen, wurde der einstige „Superminister“ leidenschaftlich: Ein Irrsin sei es gewesen, aus der Kernenergie auszusteigen. Nach dem Wegfall der Kohle bleibe ja nur noch die höchst unzuverlässige Energieversorgung mit Wind und Sonne, doch die sei völlig unwirtschaftlich: „Wenn der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint, kaufen wir den Strom teuer von unseren Nachbarn, und wenn bei uns gerade zu viel Strom da ist, betteln wir darum, dass uns den jemand abnimmt – da muss man doch Tinte gesoffen haben!“

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